Die Initiative

Durch die Initiative verschiedener Urban Art Vertreter und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde der Runde Tisch Urban Art im Januar 2017 als Treffen in der Senatsverwaltung für Kultur initiiert. Hier wurde begonnen die besonderen Anforderungen der Urban Art Szene in Berlin zu kommunizieren und eine Vernetzung untereinander zu fördern. Aus diesen ersten Treffen bildete sich schrittweise der Kreis der urbanen Szene, der sich vorrangig aus Künstlern, Vertretern und Kunstvereinen zusammensetzt. Der Kreis hat gemeinsam eine Bedarfsanalyse geleistet und daraus einen erster Forderungskatalog, sowie erste Projektideen erarbeitet, die hier kurz vorgestellt werden.

Der Kreis verfolgt folgende Ziele:
1) Sichtbarkeit: Erhöhung der Sichtbarkeit und Anerkennung der Urban Art als Kunstform
2) Vernetzung: Stärkung der Vernetzung der Urban Art Szene in Berlin untereinander (sowie national und international)
3) Förderung: nachhaltige Förderung der Urban Art, insbesondere durch Erhöhung der öffentlichen Förderung für diese Kunstrichtung

Im Vorfeld konnten bei dem ersten Graffiti Kongress Berlin 2014 und dem Versuch der Initiierung eines Graffiti-Beauftragten im Berliner Abgeordnetenhaus erste Entwicklungen angeregt werden. Der Kreis hat als erstes gemeinsames Vernetzungsformat die Idee der Urban Art Week entwickelt. Zudem wird  zur nachhaltigen Stärkung der lokalen Szene die Gewinnung von legalen Wänden in Berlin unterstützt (auf Grundlage der Arbeit der Graffiti Lobby Berlin).

Der Kreis der urbanen Szene sieht sich als Teil der Koalition der Freien Szene und fühlt sich den dort entwickelten Werten verpflichtet und verbunden. Der Kreis versteht sich als Teil der Bildenden Kunst und hat in der Koalition eine eigene Arbeitsgruppe angemeldet.

Forderungen

1. Mehr Legale Wände
Wir fordern mehr legale Wände für Berlin. Anhand eines festen Regelwerks werden legale Wände in Berlin gesucht um der Szene mehr Möglichkeiten zur legalen Betätigung zu schaffen.

2. Mehr Arbeitsraum
Wir fordern nachhaltigen Arbeitsraum. In Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie demAtelierbüro des  bbk (Berufsverband Bildender Künstler Berlin) oder Abba (Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser)  sollen mehr Räume zur freien Produktion gesichert werden.

3. Mehr „Kunst am Bau“
Wir fordern die stärkere Einbeziehung von Urban Art für Ideen, Ausschreibungen und Projekte im Rahmen von Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum (wie z.B. bespielbare Wandflächen und legale Wände).

4. Mehr Stadtbeteiligung
Wir fordern mehr Beteiligung am urbanen Raum. Insbesondere treten wir für mehr selbstbestimmte Werbeflächen und künstlerische Gestaltung im öffentlichen Raum ein.

5. Mehr Finanzbeteiligung
Wir fordern mehr finanzielle Unterstützung für die Szene von Politik und Förderprogrammen. Zudem fordern wir von allen Verwertern der Urban Art eine Abgabe zur Unterstützung der Szene.

6. Mehr Koordination
Wir fordern feste Ansprechpartner in der Berliner Verwaltung um den Austausch und Dialog sowohl für Bedarfe als auch für Probleme zu stärken.

7. Weniger Strafverfolgung
Wir fordern ein Umdenken in der Strafverfolgung und alternatives Engagement in der Sicherheitspolitik, auch zur Stärkung der nachhaltigen Wertevermittlung in die Szene.

Teilnehmer

Der Kreis der urbanen Szene besteht aus zahlreichen aktiven Teilnehmern der Berliner Urban Art Szene. Die Arbeit bündelt sich in einem regelmäßigen Netzwerktreffen, das in der Regel einmal pro Monat an wechselnden Orten stattfindet.

Der Kreis der urbanen Szene steht neuen Interessenten offen gegenüber. Bitte meldet Euch bei Interesse bei uns. Der Kreis wurde ursprünglich mit den folgenden Institutionen und Akteuren gegründet:

Berlin Massive e.V. (Marco Lauber)

Die Dixons (Kimo von Rekowski, Jörn Reiners, Marco Bollenbach)

From Here to Fame / HipHop Stützpunkt (Don Karl, Akim Walta)

Gerstemann, Melina (freischaffende Kuratorin u. Kulturmanagerin)

Graffiti Lobby Berlin (Jurij Paderin, Tim Schreiber uvm.)

Hermann, Katia  (freischaffende Kunsthistorikerin, Kuratorin u. Kulturmanagerin)

Neurotitan / Haus Schwarzenberg e.V. (Annika Hirsekorn, Stefanie Goebel)

Street Art Berlin (Dr. Diana Marossek, Andreas Schüttke)

StreetUniverCity e.V. (Giò Di Sera, Tanja Fornaro)

The Art Union e.V. (Diana Bach, Christoph Bruns, Phillip Barth)

Urban Affairs (Jochen Küpper, Stephanie Fenner)

Urban Art Liga (Akte One, Cren)

Urban Art Week

URBAN ART WEEK
5.09. bis 12.09.2018

www.urbanartweek.de

Vom 5. bis 12. September 2018 ist es soweit – die erste URBAN ART WEEK, ein neues Format für die Urban Art Bewegung startet in ganz Berlin. Das neue Format zeigt unter einem gemeinsamen Dach ein umfangreiches Programm und Einblicke in die teilnehmenden Orte und Projekte. Das Format dient sowohl der Sichtbarmachung und der Vermittlung von Urban Art, als auch der besseren Vernetzung der lokalen Akteure untereinander.

Die URBAN ART WEEK schafft Einblicke in die Locations und Arbeit der TeilnehmerInnen, die eigenständig ihr Programm zur URBAN ART WEEK präsentieren. Die BesucherInnen bekommen dadurch die Möglichkeit innerhalb von einer Woche, gebündelt Urban Art, Street Art und Graffiti-Writing kennen zu lernen.

Das Kunstprogramm umfasst zahlreiche Ausstellungen in Galerien, Projekträumen und Institutionen sowie Performance, Live Painting und künstlerisch gestaltete Wände.

Ein Rahmenprogramm begleitet die URBAN ART WEEK: Workshops von Experten bieten professionelle Weiterbildung und nützliche Informationen für die tägliche Arbeit der KünstlerInnen und Kulturschaffenden. Das zweitägige Filmprogramm zeigt Experimentalfilme, Portraits und Dokus über die Szene aus Frankreich und Deutschland. Tägliche Street Art-Führungen von lokalen Experten geben den BesucherInnen Einblick in die Kunst im Stadtraum. KünstlerInnen bieten in Kunst-Workshops für alle Altersklassen die Möglichkeit verschiedene Techniken auszuprobieren.

Warum gehört die URBAN ART WEEK nach Berlin?

Urban Art gehört in Berlin inzwischen wie selbstverständlich zum Stadtbild, große Wandmalereien und überraschende Interventionen im Stadtraum sind regelmäßig anzutreffen. Auch die Stadt und ihr Marketing schmückt sich mit den bunten Bildern ihrer Urban Art Künstler, genauso wie die ansässige Kreativwirtschaft. Doch gibt es einen Dialog von Szene und Stadt? Wo zieht sich Grenze zwischen professioneller Kunst und Ausbeutung durch immer schnelllebigere Werbezwecke? Müssen wir noch die Frage stellen ob Urban Art überhaupt Kunst ist?

Diesen Denkanstößen geht die erste URBAN ART WEEK nach. Neben Gesprächen mit Vertretern aus der Stadtpolitik und ansässigen Kunstinstitutionen, trifft sich die Szene bei Workshops und Symposien um über den Begriff Urban Art und das eigene Selbstverständnis zu diskutieren. Die Woche soll etwas hinterlassen für die Berliner Szene, sie soll der schnelllebigen urbanen Kunst einen nachhaltigen Wert vermitteln und eine Basis für die zukünftige Kommunikation schaffen.

Urban Art in Berlin gibt es schon seit Jahrzehnten und die mediale Aufmerksamkeit hat zugenommen. Nicht nur die letzten großen Ausstellungsprojekte mit Besucherrekorden belegen den Anspruch Berlins als Urban Art-Mekka. Gerade die vielen kleinen und unabhängigen Kunstorte, Projekträume und freien Kulturschaffenden, die seit den 80er Jahren in Berlin aktiv sind, haben den Nährboden für die subversive Berliner Mischung geschaffen, die jetzt die große Attraktivität der Hauptstadt ausmacht.

Für ihre Anerkennung und Vernetzung setzt sich die URBAN ART WEEK  ein und adelt die lokale Szene mit einer Goldmedaille – denn diese hat sich die Urban Art hier eigentlich schon seit langem verdient.

Das Programmheft mit Stadtplan, eine Webseite sowie eine breite Öffentlichkeitsarbeit in deutscher und englischer Sprache begleiten die Woche vom 5. bis 12. September 2018.

Weitere Infos unter www.urbanartweek.de

Legale Wände

Der Kreis der urbanen Szene setzt sich für die Schaffung legaler Wände für Urban Art ein. Es sollen Wandflächen in Berlin gefunden und in legale „Hall of Fames“ umgewandelt werden. Die Anforderung ist eine gewisse Mindesthöhe (Mindestmaße 2m x 8m), ein guter öffentlicher Zugang und die Möglichkeit Mülltonnen aufzustellen und zu entleeren (zurzeit Planung ob Kooperation mit der BSR möglich wäre). Die legalen Wände werden jeweils über eine Patenschaft der Graffiti Lobby betreut, die ebenfalls ein ausgereiftes und von der Szene akzeptiertes Regelwerk erstellt hat. Das Regelwerk (u.a. keine fremdenfeindliche, rassistische, antisemitische und sexistische Inhalte, Müllentsorgung, Respekt vor der Stadt) wird sichtbar aufgestellt und durch wiederholte öffentliche Aktionen im Bewusstsein der Szene verankert. Gefordert sind 6 legale Wände in 4 verschiedenen Bezirken.

Die Standorte und das Regelwerk sollen in einer Wände-Karte vermerkt und auf www.berlin.de und auf  www.graffiti-lobby-berlin.de veröffentlicht werden. Informationen auf Englisch sind dabei wichtig, um auf den immer stärker werdenden „Graffiti Tourismus“ von ausländischen Writern/Sprühern einzugehen. Die Szene-fremden Akteure müssen ebenfalls eingebunden und zum warteorientierten Handeln angeregt werden.

Das „Recht auf Stadt“ und die berechtigte Aneignung städtischen Raumes sind Grundlage der Forderung nach legalen Wänden. Dies fördert den Respekt und die Identifikation mit der eigenen Stadt und dem direkten Wohnumfeld. Sie ist gelebte demokratische Beteiligung an unserer Gesellschaft. Die Idee trägt auch dem Leitbild der öffentlichen Verwaltung und vielen politischen Parteien Rechnung: das kreative, soziale und lebendige Berlin fördern – wertvollen Lebensraum in der Stadt erhalten und ausbauen.