Legale Wände

Der Kreis der urbanen Szene setzt sich für die Schaffung legaler Wände für Urban Art ein. Es sollen Wandflächen in Berlin gefunden und in legale „Hall of Fames“ umgewandelt werden. Die Anforderung ist eine gewisse Mindesthöhe (Mindestmaße 2m x 8m), ein guter öffentlicher Zugang und die Möglichkeit Mülltonnen aufzustellen und zu entleeren (zurzeit Planung ob Kooperation mit der BSR möglich wäre). Die legalen Wände werden jeweils über eine Patenschaft der Graffiti Lobby betreut, die ebenfalls ein ausgereiftes und von der Szene akzeptiertes Regelwerk erstellt hat. Das Regelwerk (u.a. keine fremdenfeindliche, rassistische, antisemitische und sexistische Inhalte, Müllentsorgung, Respekt vor der Stadt) wird sichtbar aufgestellt und durch wiederholte öffentliche Aktionen im Bewusstsein der Szene verankert. Gefordert sind 6 legale Wände in 4 verschiedenen Bezirken.*

Die Standorte und das Regelwerk sollen in einer Wände-Karte vermerkt und auf www.berlin.de und auf  www.graffiti-lobby-berlin.de veröffentlicht werden. Informationen auf Englisch sind dabei wichtig, um auf den immer stärker werdenden „Graffiti Tourismus“ von ausländischen Writern/Sprühern einzugehen. Die Szene-fremden Akteure müssen ebenfalls eingebunden und zum warteorientierten Handeln angeregt werden.

Das „Recht auf Stadt“ und die berechtigte Aneignung städtischen Raumes sind Grundlage der Forderung nach legalen Wänden. Dies fördert den Respekt und die Identifikation mit der eigenen Stadt und dem direkten Wohnumfeld. Sie ist gelebte demokratische Beteiligung an unserer Gesellschaft. Die Idee trägt auch dem Leitbild der öffentlichen Verwaltung und vielen politischen Parteien Rechnung: das kreative, soziale und lebendige Berlin fördern – wertvollen Lebensraum in der Stadt erhalten und ausbauen.

*Seit Mai 2019 eine neue Hall of fame in Lichtenberg

https://www.streetartbln.com/new-hall-of-fame-parkaue-berlin-lichtenberg/

NEUE HALL OF FAME @ PARKAUE BERLIN-LICHTENBERG

Text: Katia Hermann, Mai 2019

Nach einem zweijährigen Prozess, endlich aktiviert!

Nach einem zweijährigen Prozess konnten die Graffiti-Lobby Berlin und der gemeinnützige Verein Urban Art e.V. schließlich eine neue Hall of Fame in der Parkaue neben dem Theater „Theater an der Parkaue“ und dem Jugendhaus „Jugendklub Linse“ in Berlin-Lichtenberg einweihen. Die Mauer zum Park ist 3,5 m hoch und 30 m lang und wurde heute von KünstlerInnen eines aktuellen Austauschprojektes von Berlin Massive mit Sibirien und Berlin bemalt.

Die Wand des „Theaters an der Parkaue“, die von der öffentlichen Immobilienverwaltungsgesellschaft BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH) verwaltet wird, ist zunächst temporär, der Vertrag läuft bis Herbst 2019.

Auf der anderen Seite der Mauer organisiert der Jugendclub „Linse“ regelmäßig Graffiti-Workshops.

Der Dialog mit dem BIM begann 2017. Der Kontakt erfolgte nach einem Runden Tisch im Senat (Senatsverwaltung für Kultur und Europa Abteilung Kultur) mit einigen Urban Art-Aktivisten aus Berlin (Kreis der urbanen Szene). Erst zwei Jahre später wurde der Vertrag zwischen der BIM und Urban Art e.V. nach vielen Treffen endgültig unterzeichnet. Aber schon lange zuvor, bereits 2014, organisierte die Graffiti-Lobby einen Graffiti-Kongress mit einer Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus für mehr legale Wände/Halls of Fame in der Stadt. Dies war ein Hilferuf an die Politiker, der bereits vor fünf Jahren erfolgte. Und seitdem die Szene der Style WriterInnen und Urban Art KünstlerInnen wächst, hat die Malerei an Wänden zugenommen. Mehr autorisierte Wände werden benötigt, damit KünstlerInnen üben und sich mit anderen Menschen austauschen können. Denn das Malen in der Öffentlichkeit ist ein wunderbares Werkzeug für sozialen Austausch und Bindung.

Nach der Herausforderung, die Genehmigung für diese Wand in der Parkaue zu erhalten, wird die nächste Herausforderung das gute Funktionieren dieser neuen Hall sein. Die Graffiti Lobby Berlin erinnert die Nutzer mit einem Schild an der Wand, respektvoll miteinander umzugehen und die Umwelt sauber zu halten, d.h. keine Sprühdosen und Müll an dieser schönen Stelle im Park zu hinterlassen.

Andere kleinere Städte in Deutschland, laut Marco Lauber (Mitglied von Graffiti Lobby/Berlin Massive/Urban Art e.V.), wie zum Beispiel Leipzig, haben mehr Halls of Fame als Berlin. Und sie organisierten in Leipzig spezielle Mülltonnen, für giftige Abfälle wie die Spraydosen, die für ihre Umweltschädlichkeit bekannt sind. Eine dieser Mülltonnen kostet 1000€ und mehrere wurden in Leipzig durch ein Präventionsprogramm finanziert.

Es ist schade, dass die Stadt Berlin noch nicht in spezielle Mülltonnen für Malutensilien neben ihren Halls of Fame investiert. Im berühmten Mauerpark, auf einem Stück der ehemaligen Berliner Mauer, stehen nur normale überfüllte Papierkörbe, die eigentlich nie verfügbar sind. Und hier kommen viele Touristen, um zu sprühen. Die meisten Graffiti WriterInnen nehmen ihren Müll mit, aber einige müssen mehr Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen. Hoffentlich wird das kleine Schild der Graffiti Lobby sie daran erinnern und diese neue Hall of Fame in der Parkaue Lichtenberg kann sauber bleiben und länger leben als geplant. In dieser erstaunlich ruhigen grünen Umgebung sieht es aus, als wäre es der perfekte Ort, an dem man sich diesen Sommer für Chill-Outs und Jams aufhalten kann und sollte.

Diese Neuerwerbung ist das Ergebnis des langjährigen Engagements der Graffiti Lobby Berlin, die zusammen mit dem Urban Art e.V. (Urban Art Week) auf weitere legale Wände in Berlin setzt.